Monatsandacht Oktober 2026

Zur Freiheit hat uns Christus befreit!

So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auferlegen.

Galater 5,1

R.Kopatschek_für-alle

Unterschätze niemals die Fähigkeit freier Menschen, sich selbst und andere ihrer Freiheit zu berauben. Freiheit ist ein hohes, ein umkämpftes Gut. Wer möchte schon gerne unfrei sein? Wer möchte gerne Knecht sein und immer den Plänen und dem Willen eines anderen dienen?

Und doch ist dies alltägliche Realität. Menschen machen sich „freiwillig“ wieder unfrei. Sie machen sich abhängig von Meinungen und Regeln. Lassen sich einengen oder schnüren sich selbst ein.

Christus hat uns zur Freiheit befreit! Mit der Freiheit kommt die Unsicherheit. Wie soll ich mich verhalten? Woran kann ich mich orientieren? Regeln und Gesetze geben Sicherheit. Selbst wenn ich mich nicht immer an die Gesetze halte, weiß ich, was ich zu tun habe und wann ich eine Grenze überschritten habe. Dabei ist mein Blick auf die Grenze gerichtet, auf den Zaun, der meinen Handlungsspielraum einschränkt.

Christus hat uns zur Freiheit befreit! Das Wandern am Zaun hat ein Ende. Freiheit in Christus bedeutet, der Mitte zugewandt zu leben. Weg von der Grenze. Weg von der Frage: „Was ist gerade noch erlaubt und wo ist die Grenze schon überschritten?“ Hin zu der Perspektive: Ich wende mich zu Christus hin, zur Mitte. Ein radikaler Richtungswechsel, eine Umkehrung.

Christus hat uns zur Freiheit befreit! Die Freiheit in Christus ist nicht ohne Orientierung. In der Mitte steht die Liebe, steht Christus selbst. Die Liebe gibt die Orientierung für Leben und Handeln: "Ihr aber seid zur Freiheit berufen. Allein seht zu, dass ihr durch die Freiheit nicht dem Fleisch Raum gebt, sondern durch die Liebe diene einer dem anderen. Denn das ganze Gesetz ist in dem einen Wort erfüllt: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“ Gal 5,13-14

Liebe gibt uns Raum und Rückgrat. Wir fühlen uns getragen und stehen sicher. Wir übernehmen Verantwortung mit unserem Fragen: „Was bedeutet Liebe in dieser Situation oder in Hinblick auf diese Menschen?“ Wir übernehmen Verantwortung mit unserem Handeln: „Ich versuche bestmöglich zu lieben und vertraue Christus, dass er selbst mich lehrt, was Liebe ist.“ Wir lieben und leben ein Leben mit Rückgrat anstatt mit dem einengenden Korsett der Regeln und Gesetze. Wir leben in der Freiheit, zu der Christus uns befreit hat.

Unterschätze niemals die Fähigkeit eines freien Christenmenschen, sich selbst und andere ihrer Freiheit zu berauben. Lass dich nicht wieder einschnüren in ein immer enger werdendes Korsett aus Regeln, Gesetzen, unsichtbaren Grenzen und sichtbaren Zäunen! Ein Korsett gemacht aus: „Es gibt nur diese eine Meinung“ – gemacht aus: „So musst du es tun“ – gemacht aus: „Wenn du nicht so denkst und glaubst, gehörst du nicht dazu“.

Bleib der Mitte, bleib Christus zugewandt, steh fest in der Freiheit, zu der Du berufen bist!

Prof. Dr. Andrea Klimt

Prof. Dr. Andrea Klimt
Rektorin
Praktische Theologie

Theologische Hochschule Elstal